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Erst das Jugenddorf, dann die Kapelle

Fünf Tage war Hans-Otto Elbert vom Oberurseler Verein "Direkte Hilfe für Kinder Not" unterwegs, um einen Kleinbus nach Rumönien zu bringen. Oberurseler Bürger hatten bei einer Spendenaktion weit über 16000 Euro zusammengebracht, um das Fahrzeug zu finanzieren. Es ist für ein Heim für behinderte Kinder bestimmt. TZ-Redakteur Michael Neumann begleitete Elbert auf der Fahrt nach Rumänien. Mit dem heutigen Artikel schließen wir unsere kleine Serie über die Hilfsaktion.

Oberursel/Timisoara. Die ehemalige Kolchose in Bakowa, etwa eine halbe Autostunde von Timisoara entfernt, ist völlig heruntergekommen. Mauern sind eingebrochen, Dächer löchrig, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Maschinen rosten vor sich hin. Gerade so, als wäre der ehemalige riesige Bauernhof vor Jahrzehnten fluchtartig verlassen worden.
Doch seit einigen Monaten tut sich wieder etwas auf dem mehrere Hektar großen Gelände, das die Caritas in Timisoara für 87000 Euro ersteigert hat. "Wenn wir das verwirklichen können, was wir für Bakowa geplant haben, sind wir wirklich ein ganzes Stück weitergekommen", sagt Pater Berno Rupp, als wir zu einem Rundgang über das weite Gelände starten. "Zwei Ziele verbinden wir hier mit dem Wiederaufbau des Bauernhofes: Zum einen wollen wir die Selbstversorgung der Einrichtung der Caritas wie Pflegestationen, Kinder- und Ferienheime einen großen Schritt voranbringen, zum anderen wollen wir vor allem den obdachlosen Jugendlichen des Nachtasyls in Timisoara einen Einstieg und eine Integrationsmöglichkeit ins normale Leben ermöglichen", sagt der Pater.
Der Anfang ist bereits gemacht. Vier Jugendliche und Obdachlose aus dem Nachtasyl arbeiten hier bereits als Maurer und Nachtwächter, zwei Schreiner sind mit der Wiederinstandsetzung alter und dem Einbau neuer Türen und Fenster beschäftigt, sechs landwirtschaftliche Arbeiter haben die Bestellung der Felder sowie die Betreuung der Tiere übernommen, und die kümmern sich um die Traktoren und Landmaschinen, zwei Müller bedienen die moderne Mühle, die für 100000 Euro angeschafft wurde - wie so vieles andere auch aus Spendengeldern. Je nach Bedarf werden noch kleine Bautrupps aus dem Dorf Bakowa angestellt.
Ein Dutzend Schweine sind in einem kleinen Stall mehr schlecht als recht untergebracht. "Wir machen das, so gut wir können", sagt Josef, ein Rentner aus Bakowa fast entschuldigend. "Aber wir sind ja erst am Anfang." 200 Schweine sollen hier einmal aufgezogen werden, dazu 500 Hühner, und Getreide, Obst und Gemüse sollen angebaut werden. "Ein paar Dutzend Rinder sollen auch noch Platz finden, sobald die Ställe wieder hergerichtet sind", sagt Pater Berno. Mit den Schreinern und Maurern spricht er an diesem Vormittag verschiedene Pläne durch. Bei der Verwirklichung des Riesenprojektes gönnt der Pater weder sich noch den Arbeitern, die wieder in Lohn und Brot gebracht wurden, eine Pause.
Dem landwirtschaftlichen Betrieb soll ein Jugenddorf mit 80 Plätzen angeschlossen werden. Zwölf Bungalows werden für Jugendliche gebaut, die dann auf dem Bauernhof arbeiten können. Bereits in diesem Jahr sollen ein Zaun ums künftige Dorf gezogen und der erste Bungalow errichtet werden wie auch das Hauptgebäude des Dorfes. 600 Meter Wasserleitung sollen vom eigenen Tiefbrunnen zu Stallungen und Werkstätten verlegt werden, in einer neuen Betonziegelpresse werden die Bausteine für die Renovierung der Häuser gepresst. Selbstversorgung eben. 36000 Euro hat der Pater für die Entlohnung der Angestellten für 2002 in den Etat eingestellt, 40000 für die Betriebskosten.
"Wenn alles gut geht, wird schon Ende kommenden Jahres das Gröbste geschafft sein", hofft der Priester. Das Hauptgebäude des Jugenddorfes mit Gemeinschaftsraum, Küche, Wäscherei, Zentrallager und Zentralheizung soll stehen, ebenso wie die restlichen elf Bungalows und die Werkstätten für Mechanik, Schlosserei und Schmiede. Eingeweiht sein sollte dann auch die Fest- und Sporthalle. "Leimbinder sind schon da", hat Pater Berno in sein Notizbuch geschrieben.
Ein Naturteich als Schwimmbad und als Wasserreservoir für die Feuerwehr, Sportanlagen, eine biologische Klärreinigung und eine Mülldeponie für die Gemeinde Bakowa hat der Pater noch auf seine Liste geschrieben. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere Agrarflächen angekauft werden. Und wenn genug Geld zur Verfügung steht, ist auch an eine Anstellung von Sozialpädagogen gedacht. Ganz am Schluss der Liste steht bezeichnenderweise eine Kapelle - Häuser für die jungen Menschen sind erst einmal wichtiger.
Was zurzeit in unbegrenzter Menge benötigt wird, ist Isolations- und Elektromaterial, sind Verschraubungen, Waschbecken und Toilettenanlagen und Heizkörper. Und wie ich den Pater kennen gelernt habe, wird er auch das schaffen.
Noch eine halbe Stunde warten wir im Bus, bis sich der Pater wieder ans Steuer setzt. Mit den Müllern war noch etwas abzuklären, und die Schreiner hatten noch Fragen. Jetzt geht es wieder zurück nach Timisoara, wo in der Kirche der Kleidermarkt noch im vollen Gange ist. Bei derAbfahrt werfen wir noch einen Blick zurück auf die ehemalige Kolchose, und wir fragen uns, wie es in zwei Jahren hier aussehen wird, ob sich alle Träume des Paters und seiner Helfer verwirklichen lassen.
Bis es soweit ist, wird Pater Berno Tausende von Kilometern zwischen Timisoara und Bakowa zurückgeleget haben. Und vermutlich wird er dann, wie das Kinderheim in Carani, einen neuen Transport brauchen. Beim Abschlussessen mit den Betreuern vom Kinderheim in Carani ist der Pater nicht dabei. Fafür fehlt ihm wohl einfach die Zeit.

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