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Der weite Weg nach Carani

Fünf Tage war Hans-Otto Elbert vom Oberurseler Verein "Direkte Hilfe für Kinder in Not" unterwegs, um einen Kleinbus nach Rumänien zu bringen. Oberurseler Bürger hatten bei einer Spendenaktion weit über 16000 Euro zusammengebracht, um das Fahrzeug zu finanzieren. Es ist für ein Heim für behinderte Kinder bestimmt. TZ-Redakteur Michael Neumann begleitete Elbert auf der Fahrt nach Rumänien. In einer kleinen Serie wollen wir über die Hilfsaktion berichten.

Oberursel. Hans-Otto Elbert sitzt im Fahrerhaus am Steuer des weißen Ford Transit und wartet - aber nicht allzu lang. Um 6 Uhr sind wir im Bad Homburger Schwedenpfad vor der Redaktion der TZ verabredet, zehn Minuten früher treffe ich ein. Tasche verladen, eingestiegen. Gurt festgeschnallt und los geht´s Richtung Autobahn Würzburg-Nürnberg. Beide haben wir kurz und schlecht geschlafen, aufgeregt vor der weiten Fahrt nach Rumänien. Und sind hellwach, als wir die ersten Kilometer hinter uns bringen.

Bei Gelnhausen treffen wir Egon Haug. Er steuert den schwarzen Opel, mit dem wir fünf Tage später nach Deutschland zurückfahren werden.
Denn der Ford Transit bleibt in Rumänien, ein Geschenk des Vereins "Direkte Hilfe für Kinder in Not", für das Elbert und seine Mitarbeiter in Oberursel weit über 16000 Euro an Spenden gesammelt haben. Der Wagen ist für ein Kinderheim in Carani nahe Timisoara betimmt. Dort werden zwölf geistig und körperlich behinderte Kinder betreut.
Per Handy wird die ganze Fahrt über Kontakt mit Egon Haug gehalten, mehr als ein dutzend Mal klingelt es in der Brusttasche von Hans-Otto Elbert, bis wir Budapest erreichen. Doch bis dahin sind es noch 1000 Kilometer, und ehe die ersten 100 auf dem Tacho sind, werden wir von der Polizei gestoppt. Die Fahrzeugpapiere werden gründlich kontrolliert, und schnell erfahren wir auch, warum sich die Polizei gerade für uns interessierte. Dem Nummernschild ist abzulesen, dass der Wagen in ein anderes Land überführt werden soll, und solche Fahrzeuge werden gerne gestohlen, sagt der Beamte und gibt uns die Papiere zurück.

Schon nach fünf Stunden ist die österreichische Grenze bei Passau erreicht - keine Staus, keine Baustellen, blauer, wolkenfreier Himmel. "Besser könnte es nicht laufen", sagte Elbert. Er hat die Strecke schon mehrfach hinter sich gebracht, auch mit dem schweren Lastwagen, und bei Regen und Schnee.
Auch in Österreich kann der Schnitt von Tempo 110 mühelos gehalten werden, ein Blick auf das im Sonnenschein leuchtende Kloster Melk, und zwei Stunden später ist die ungarische Grenze erreicht. Zuvor haben wir, in einer Blechlawine dahin schwimmend, Wien von seiner industriellen Seite her kennen gelernt.

An der Zollschranke zehn Fahrzeuge vor uns, darunter ein rumänischer Kleinbus, der gut 20 Minuten Kontrolle verschlingt. Wir steigen aus, vertreten uns die Beine. Elbert trinkt einen Schluck Wasser, ich rauche eine Zigarette, die dritte erst seit der Abfahrt. Nach einer guten halben Stunde sind wir an der Reihe, kritische Blicke auf das Kennzeichen, die Papiere verschwinden im Zollhäuschen, nach einer Viertelstunde können wir weiterfahren.
Jetzt noch einmal 150 Kilomehter auf gut ausgebauter Autobahn bis Budapest. Weit führt die Autobahn um die ungarische Hauptstadt herum, und mit einen wenig Glück finden wir die Ausfahrt zum Industriegebiet, und dort zum Hotel Frankfurt.

"Für heute reicht´s", sagt Elbert, schnappt müde seine Reisetasche. "Aber wir sind toll durchgekommen." Eine halbe Stunde später trifft Egon Haug ein. Er hat wenigstens die Budapester Innenstadt kennen gelernt - nachdem er sich verfahren hat. Zimmer bezogen, geduscht, zu Abend gegessen, ins Bett gefallen, unruhiger Schlaf.

Am nächsten Morgen, nach drei Tassen Kaffee und zwei Brötchen, geht es weiter. Flaches Land mit riesigen Ackerflächen rechts und links der Autobahn, wenige Häuser in kleinen Dörfern über Dutzende Kilometer hinweg, und immer wieder die kugelförmigen Wasserbehälter auf hohem Mast.
Eine halbe Stunde nach Szeged endet die Autobahn, die Straße bleibt gut, die Sonne scheint, aber es wartet die rumänische Grenze. "Hier habe ich mit den Lastkraftwagen schon über 36 Stunden warten müssen", macht mir Elbert wenig Hoffnung auf einen schnellen Grenzübergang.

Die Zöllner haben sehr viel Zeit

Der ungarische Zoll ist gnädig, nur eine halbe Stunde, dann warten die rumänischen Zöllner. Und die haben Zeit. Eine dicke Mappe mit Zollpapieren hat Elbert unter den Arm geklemmt, als nach einer Stunde Wartezeit der Mitarbeiter von Caritas aus Timisoara endlich eintrifft. Er kann Deutsch und Rumänisch und soll die schwierigen Verhandlungen mit den Zöllnern führen, damit in absehbarer Zeit die Zollpapiere abgestempelt werden. Elbert glaubt alle Papiere zusammengetragen zu haben, der Zoll sieht das anders.
Mit dem Mann von Caritas sind auch Schwester Pacifica vom Benediktinerorden und Mircea Sabau an die Grenze gekommen, der den Transit einmal fahren soll. Mit Pacifica und Mircea komme ich schnell ins Gespräch. Mircea lässt von Schwester Pacifica übersetzen, dass er nun auch Deutsch lernen will, weil sein Enkel Robert Deutsch lernen soll. Wir nutzen die lange Wartezeit, im eisigen Wind stehend, zum ersten Anfängerkurs, während Elbert und der Caritas-Mitarbeiter von Zollstelle zu Zollstelle eilen.

Zwei Stunden sind vergangen. Mircea ruft im Kinderheim an, die Kinder sollen heimgebracht werden. Aber die wollen warten.Während Mircea seinen deutschen Wortschatz weiter ausbaut und Schwester Pacifica fröstelt, informiert ein genervter Hans-Otto Elbert über den neuesten Stand der Verhandlungen.

Nach knapp vier Stunden ist es geschafft, wichtige Stempel schmücken die Zollpapiere, wir besteigen den Transit. "Zwei Mal fünfzig Euro Handgeld mussten wir zahlen", ärgert sich Elbert maßlos. "Sonst wären wir noch Stunden hier." "So viel verdient ein rumänischer Arbeiter im Monat", sagt Schwester Pacifica.

Über die löchrige Hauptstraße verlassen wir den Grenzbereich, nähern uns der Großstadt Arad, um über noch schlechtere Wege Richtung Carani zu steuern. Mircea fährt mit seinem gelben, hochbetagten Bus voraus. Weil der Tank leckt, hat er immer einen Kanister Diesel dabei. Wir hoffen, dass der Bus die letzten paar Kilometer noch durchhält. Im Kinderheim werden wir seit Stunden ungeduldig erwartet.

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